Monday, January 28, 2013

Dde-arbeit-des-zuschauers-Handke Theater Museum

   http://www.theatermuseum.at/de/vor-dem-vorhang/ausstellungen/peter-handke/
Auf diese Art


Lothar Struck has an exhaustive review @:

http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/h/handke-theater-kastberger-pektor-struck.htm


Bereits seit September 2012 liegt der Band »Die Arbeit des Zuschauers«, herausgegeben von Klaus Kastberger und Katharina Pektor, vor. Er ist zugleich Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung über »Peter Handke und das Theater« die am 30. Januar 2013 im Wiener Theatermuseum eröffnet wird. Es dauert nicht lange, bis man über das opulente und prachtvolle Buch ins Schwärmen gerät. Da gibt es zu »Publikumsbeschimpfung«, »Kaspar«, »Über die Dörfer«, »Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land« und »Immer noch Sturm« wunderbare Faksimiles von Handkes Notizbüchern und Briefen, Fotos von Aufführungen, Ausschnitten von Programmheften, Plakaten und Zeitungsartikeln. Manchmal schaut man dem Dichter direkt über die Schulter, bekommt die unterschiedlichen Stadien von Textwerdung anhand der jeweiligen Manuskriptseiten gezeigt. Und dazu gibt es sehr kluge und gut geschriebene Essays, die weitgehend auf wolkiges Germanistensprech verzichten. Komplettiert wird der Band mit einer Aufstellung aller Theaterstücke von Peter Handke nebst Daten zu deren Uraufführungen (leider fehlen die von Handke übersetzten Stücke).

Begonnen wird mit einem ausgezeichneten, tiefgehenden Gespräch Thomas Oberenders mit Peter Handke. Danach verortet Klaus Kastberger in seinem sehr erhellenden Aufsatz »Lesen und Schreiben« Handkes Theater als »Entwürfe für Gegenwelten, die sich aus literarischen Evidenzen bauen«. Dabei richtete sich Handke zunächst gegen die »vermeintlichen Evidenzen der Literatur« - und hier insbesondere den »Konventionen des Realismus«. Kastberger verknüpft damit Handkes Auftritt bei der Gruppe 47 mit den kurz darauf entstandenen programmatischen Aufsätzen (»Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms«, »Die Literatur ist romantisch«), die dann deutlich mehr sind als medienwirksames Gepolter. Handke betreibe ausdrücklich »kein Anti-Theater«, so Kastberger: »Ganz im Gegenteil restituiert jene Art von Wirklichkeit, die bei Handke im Theater Einzug hält, am Theater den alten kathartischen Sinn.« Überzeugend wird dies als Kontinuum in Handkes Schaffen ausgeführt; an »Publikumsbeschimpfung« 1966 über »Die Fahrt im Einbaum« 1999 bis »Immer noch Sturm« 2010. Das extrem kontrovers (und meistens ablehnend beurteilte) »Einbaum«-Stück nimmt Kastberger dabei fast exemplarisch für die Jugoslawien-/Serbien-Texte Handkes: »In ihnen zeigte sich eine andere Art der Wahrheitsfindung am Werk als in den Daten, Fakten, Berichten. Bildern und Zeugenaussagen, die die andere Seite für ihre Zwecke sammelte und propagierte. Für Handke gab es damals nur eine Devise: Hingehen, anschauen und beschreiben. Einen solchen Ansatz, der das Recht der poetischen Wahrheit in ein Umfeld setzt, das nicht seines ist, wollte und konnte man dem Dichter nicht durchgehen lassen.«  Entsprechend fielen dann ja die Reaktionen aus.

http://handke-drama.blogspot.com/2013/01/dde-arbeit-des-zuschauers-handke.html
 auf Ihr und Frau Pektor's Handke Theater Buch aufmerksam gemacht
werde ich es mir beschaffen und wohl eine weitere Notiz auf dem Handke Magazin
hinterlassen.

In the meanwhile, as the translator of the plays up until DOERFER
and first director, who then participated in a lot of U.S. premieres,
I've had the time to give some thought to these crimes of ages past.

There is a fun piece on the fun it was to translate them at
the handketrans.scriptmania.com site

Quite a few of the more recent pieces - VOYAGE BY DUGOUT, SUBDAY BLUES, ARANJUEZ, STURM, ETC.are discussed,  have pieces devoted to them at

which also has links to the prior three sites devoted to Handke's theater


Handkedrama.scriptmani I +II + III
as well as to the lectures I gave on the subject, one or the other piece and I have
a collection. handkeletures.scriptmania

The altogether most interesting experience is the one you allude to in apparently realizing
that - as far as I am concerned - two of his pieces, LAKE CONSTANCE + STUNDE , induce
what is called catharsis, a cleansing.

I had also translated  LAKE CONSTANCE but gave no thought to what effect it might have,
the continuous subjugation of the audience to Wittgensteinian type of questioning in the realm of boulevard theater. I had a pretty good idea of what Handke was up to in the other pieces, although the reaction of a psychoanalyst at the performance of PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG / OFFENDING THE AUDIENCE/ PUBLIC INSULT at the N.Y. Goethe House - that the audience had received an hours worth of the best consciousness raising by having been made so self-conscious - alerted me initially to the effect that Handke's works can have, so variously.
   
Nor for a change did I participate in a single rehearsal of the first rate RIDE
caste, derived from the Lincoln Theater's repertoire, directed by the Brechtian Carl Weber. (1971) So when I and my girl friend and my guest Max Frisch and Marianne went to the premiere... I was astounded at the end to feel cathartically cleansed. Max did not, he was pissed, angry at the piece, and I failed to ask him why. However, I was now hooked on the piece and during its five week run went every day, but weekends when I was away, for a "hit", really that it was what it felt like, ten minutes, like a contact high is all it took, andI was happy. The only comparable experience was at Brecht's theater in 1957 in Berlin, however despite all of Brecht's writing on non-Aristotelian catharsis, the experience best as I could tell derived from the aesthetic experience of how well the plays were performed, especially so since I had the experience at the Schiffbauerdamm also with plays that were not Brechts.

In the early 80s I decided to do a psychoanalysis, and once I was inside the transference,
invariably, whether it was a particularly good day or not, whether the most painful or pleasurable matters had been raised, and I decompressed with a five mile walk... I felt cleansed and the experience approximated how I felt after my five weeks with RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE.

I then had a similar experience with the performance here at the University of Washington Drama School performance, Steve Pearson directing, of HOUR. Similar experiences crop up at certain moments in Handke's prose works. I suspect that the source of that experience in his plays lies in the quickness with with the images change in HOUR - Handke as sleight of hand artist, mesmerizer perhaps despite himself -  and the Ionescoish world of words and insistent logic creating a madhatter's world that breaks down the normal view and experience of the world, and one's defenses in RIDE. At any event, Handke's early theater fit the HAPPENING mode that was then en vogue, with differences that I scarcely need to point out to you.
Best,


 

Die Arbeit des Zuschauers

Peter Handke und das Theater
»Ich hab schon den Ehrgeiz, das Theater immer neu zu entdecken und dabei doch die Menschheit zu umfassen.«
Von der Publikumsbeschimpfung (1966) bis Immer noch Sturm (2011): Peter Handke hat das deutschsprachige Theater maßgeblich geprägt. Anlässlich des 70. Geburtstages des Autors bietet das Österreichische Theatermuseum ab 31. Jänner erstmals einen umfassenden Einblick in Entstehung und Wirkung seiner Bühnenarbeiten.
Am 21.Oktober 1965 schrieb der damals 22-jährige Peter Handke an den Verleger Siegfried Unseld: »Ich habe gerade mit Ach und Krach ein Stück geschrieben. Es heißt ›Publikumsbeschimpfung‹ und ist mein erstes und mein letztes. Ich möchte es nun aufführen lassen und auch sonst dazu sehen, daß ich es vielleicht anbringe.« Schon im Juni 1966, kurz nach seinem legendären Auftritt vor der Gruppe 47 in Princeton, wurde das Stück mit seiner radikalen Kritik am konventionellen Theater in einer Inszenierung von Claus Peymann uraufgeführt. Es machte Handke über Nacht berühmt. In mittlerweile zwanzig Stücken entwickelte der Autor seither sein neues »episches Theater« und eine Theorie des »Wahrspielens« beständig weiter.
Die Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums wird in Kooperation mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien von Klaus Kastberger und Katharina Pektor kuratiert und von Peter Karlhuber gestaltet. Ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen ist im Verlag Jung und Jung erschienen
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Bücher & Themen
Artikel online seit 26.01.13

Erkundungen

Über »Die Arbeit des Zuschauers« – Peter Handke und das Theater.
Das materialreiche Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung.

Von Lothar Struck



 
Bereits seit September 2012 liegt der Band »Die Arbeit des Zuschauers«, herausgegeben von Klaus Kastberger und Katharina Pektor, vor. Er ist zugleich Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung über »Peter Handke und das Theater« die am 30. Januar 2013 im Wiener Theatermuseum eröffnet wird. Es dauert nicht lange, bis man über das opulente und prachtvolle Buch ins Schwärmen gerät. Da gibt es zu »Publikumsbeschimpfung«, »Kaspar«, »Über die Dörfer«, »Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land« und »Immer noch Sturm« wunderbare Faksimiles von Handkes Notizbüchern und Briefen, Fotos von Aufführungen, Ausschnitten von Programmheften, Plakaten und Zeitungsartikeln. Manchmal schaut man dem Dichter direkt über die Schulter, bekommt die unterschiedlichen Stadien von Textwerdung anhand der jeweiligen Manuskriptseiten gezeigt. Und dazu gibt es sehr kluge und gut geschriebene Essays, die weitgehend auf wolkiges Germanistensprech verzichten. Komplettiert wird der Band mit einer Aufstellung aller Theaterstücke von Peter Handke nebst Daten zu deren Uraufführungen (leider fehlen die von Handke übersetzten Stücke).
Begonnen wird mit einem ausgezeichneten, tiefgehenden Gespräch Thomas Oberenders mit Peter Handke. Danach verortet Klaus Kastberger in seinem sehr erhellenden Aufsatz »Lesen und Schreiben« Handkes Theater als »Entwürfe für Gegenwelten, die sich aus literarischen Evidenzen bauen«. Dabei richtete sich Handke zunächst gegen die »vermeintlichen Evidenzen der Literatur« - und hier insbesondere den »Konventionen des Realismus«. Kastberger verknüpft damit Handkes Auftritt bei der Gruppe 47 mit den kurz darauf entstandenen programmatischen Aufsätzen (»Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms«, »Die Literatur ist romantisch«), die dann deutlich mehr sind als medienwirksames Gepolter. Handke betreibe ausdrücklich »kein Anti-Theater«, so Kastberger: »Ganz im Gegenteil restituiert jene Art von Wirklichkeit, die bei Handke im Theater Einzug hält, am Theater den alten kathartischen Sinn.« Überzeugend wird dies als Kontinuum in Handkes Schaffen ausgeführt; an »Publikumsbeschimpfung« 1966 über »Die Fahrt im Einbaum« 1999 bis »Immer noch Sturm« 2010. Das extrem kontrovers (und meistens ablehnend beurteilte) »Einbaum«-Stück nimmt Kastberger dabei fast exemplarisch für die Jugoslawien-/Serbien-Texte Handkes: »In ihnen zeigte sich eine andere Art der Wahrheitsfindung am Werk als in den Daten, Fakten, Berichten. Bildern und Zeugenaussagen, die die andere Seite für ihre Zwecke sammelte und propagierte. Für Handke gab es damals nur eine Devise: Hingehen, anschauen und beschreiben. Einen solchen Ansatz, der das Recht der poetischen Wahrheit in ein Umfeld setzt, das nicht seines ist, wollte und konnte man dem Dichter nicht durchgehen lassen.«  Entsprechend fielen dann ja die Reaktionen aus.
Martin Sexl knüpft etwas später an das »Einbaum«-Stück und dessen Rezeption an. Vor seinem luzidem Essay »Der Einbaum, die Medien und der Krieg« werden der Brief Handkes mit zum Teil launigen, aber auch durchaus ernsthaften »Hinweise[n], Fingerzeige[n]« an Claus Peymann, dem Regisseur der Uraufführung des Stückes und sein dreiseitige Fax vom 19. März 1999 an das Burgtheater abgedruckt. In Handkes gut lesbarer Handschrift weist er Peymann mehrmals auf den durchaus mitschwingenden »Sarkasmus« des Textes hin, erklärt als Grundton »das heulende Elend« und möchte »ein paar Lieder von Um Kalsum (Ägypten) durch die Räume schallen lassen« (gemeint ist wohl Umm Kulthum. Das Fax drei Wochen später nimmt dezidiert Bezug auf die im Vorfeld der Inszenierung bereits vernehmbaren Schmähungen des Stückes (das noch gar nicht veröffentlicht war; die Uraufführung erfolgte am 9. Juni 1999), der Person Peter Handke und seiner Familie durch diverse Zeitungen in Deutschland und Österreich. Handke möchte auch hier launig sein, bietet den Journalisten sogar an, ihn weiter zu beschimpfen, um dann fast pathetisch zu fordern: »laßt das Stück - laßt die im status nascendi befindliche Aufführung - laßt vor allem die Schauspieler in Frieden, ab sofort und bis nach der Premiere!« Wer das Fax genau liest, erkennt die Erschütterungen Handkes ob dieser kampagnenartigen Diffamierungen deutlich.   
Sexl stellt die Radikalität Handkes im Unterlaufen »gängige[r] Bild- und Medienlogiken«, die sich »wenig um Moralvorstellungen schert und sich nicht scheut, Widersprüchliches ästhetisch zu verhandeln« heraus. Er nennt das Stück »ein paradoxes Spiel« und verschweigt nicht die Gefahren und Ambivalenzen einer solchen Darstellung im Kontext dieses Themas, konzediert aber, dass Handke sehr wohl weiss, was er tut. Sexl erkennt, dass Jugoslawien für Handke »der metaphorische Angelpunkt« einer »vor-geschichtliche[n] und vor-zivilisatorische[n] Gemeinschaft« ist. Dabei ist der »Glaube an die Möglichkeit einer mythischen Gemeinschaft…bei Handke jedoch erstens durchaus gebrochen und ironisch verfremdet« und »zweitens ist sich der Autor sehr wohl dessen bewusst, dass 'Jugoslawien' kein realer Ort (mehr) ist, sondern ein metaphorisches Konzept«. Eine sehr wichtige Spur, die Sexl hier legt, aber - und das ist der einzige kleine Makel dieses ansonsten wunderbaren Buches - leider nicht weitergesponnen wird. Es hätte sich durchaus angeboten, dieses metaphysische Konzept, welches sich bereits in »Über die Dörfer« 1981 zeigte, im »Spiel vom Fragen« (1989) spielerisch aufbereitet wurde und schließlich im sogenannten Königsdrama »Zurüstungen für die Unsterblichkeit« 1997 eine verspielt-experimentelle Weiterentwicklung fand (mit dem »Lusthaben auf Macht« und einer Neuorientierung des Politischen durch den Enklaven-Königs Pablo) näher zu beleuchten. Denn in vielen von Handkes Stücken spielen mögliche neue Formen eines Zusammenlebens von Menschen eine wesentliche Rolle.
Sehr interessant ist Katharina Pektors Gespräch mit Claus Peymann (vom Mai 2012). Peymann überkommt zuweilen eine doch arg veteranenhaft daherkommende Vergangenheits(v)erklärung, die manchmal in seltsamen Formulierungen mündet, etwa wenn er glaubt, mit den Augen von Peter Handke zu sehen. Aber dann wiederum gibt es sehr schöne Passagen, etwa die Kurz-Charakterisierungen von Handkes Theaterstücken nebst dessen Suche der »'heile[n]'« Welt, die Peymann auch politisch-utopisch deutet. Aber auch Diskrepanzen habe es immer gegeben, so sei ihm, dem »Antitheoretiker« (Peymann über sich selbst), Handkes Begriff des »Wahrspielers« immer fremd geblieben. Mit der Überreichung des Belegexemplars dieses Buches könnte sich dies ändern, denn Anke Roeder widmet sich in ihrem Aufsatz »Wahrspieler - Performer« just diesem Thema.
Peymann äußert sich zu der »tiefen Zerrüttung und Entfremdung« zwischen ihm und Handke während der Vorbereitungen zur geplanten Uraufführung von »Immer noch Sturm« am Wiener Burgtheater mit dem Berliner Ensemble. Peymann spricht von »zunehmende[r] Misanthropie« Handkes, das Misstrauen sei unüberbrückbar gewesen. Der tatsächlichen Grund für die Entfremdung soll jedoch die unterschiedliche Beurteilung des Films »Das weiße Band« von Michael Haneke gewesen sein, wie Pektor Peymann entlockt. Das Stück wurde ja dann in Salzburg von Dimiter Gotscheff uraufgeführt; die Inszenierung lobt Peymann zunächst, um dann kurz darauf zu erklären, dass das Stück »in seiner ganzen Vielfalt bis heute nicht uraufgeführt« sei. Inzwischen seien sie jedoch »wieder versöhnt« und er warte auf ein neues Stück von Handke »fürs Berliner Ensemble«. »Die schönen Tage von Aranjuez« schrieb Handke allerdings mit der Intention, es von Luc Bondy inszenieren zu lassen.
Der Band widmet sich diesem Stück von mehreren Seiten recht ausgiebig. So analysiert Katharina Pektor in einem sehr instruktiven Beitrag Bühnenbilder von Handke-Uraufführungen. Neben »Immer noch Sturm« (Bühnenbild Katrin Brack), »Über die Dörfer« (Jean-Paul Chambras), »Die Fahrt im Einbaum« (Karl-Ernst Herrmann) eben auch Amina Handkes' »Aranjuez«-Bild. Luc Bondy erläutert bei Wolfgang Kralicek seine Gedanken zur Inszenierung und der Schauspieler Jens Harzer, der sowohl in »Immer noch Sturm« als auch im Zwei-Personen-Stück die männlichen Hauptrollen spielt, erzählt im Gespräch mit Hartmut Wickert noch einiges über seinen Zugang zu Handke. 
Wie ein roter Faden zieht sich Erkundung, Kennzeichnung und Definition von Handkes »'epischem Theater'« durch den Band. Katharina Pektor betont, es sei »nicht nur antiaristotelisch, sondern auch antibrechtisch«. Hans-Thies Lehmann sieht Handkes Theaterstücke als »Texte, die postdramatisches Theater erwarten, Texte, die die fragende Anforderung an das Theater richten, für jeden Text zuerst eine Spielform zu erfinden, statt dem Pfad der Spiel-Konventionen des Dramas zu folgen.« Handke bedient sich nicht einfach bestehender Strukturen, er will, wie Pektor deutlich macht, »die Bühne gegen die Selbstverständlichkeit ihrer Formen in der Künstlichkeit ihres Spiels bewusst machen.« Dabei ist Handkes Theater, so Lehmann, »emphatisch bezogen auf Literatur«, als »Theater der Literatur, als Sprachtheater und Theater der Sprache « wie auch, dann später, »Spiele des Fragens, Geisterbegegnung und Monolog« und, wie dann Peymann erläuterte, auch als Experimentierfeld für die Erfindung (oder eher: Findung) neuer sozialer Gemeinschaftskonstruktionen. Die Sprache Handkes findet Lehmann »prosalyrischer….nur formal hier und da einmal dialogischer Art.« Tatsächlich gibt es kaum »die Dramaturgie einer ausgefalteten Fabel«. Theater ist eben mehr »in« als »mit der Sprache« bei Handke, was den vordergründigen Zugang erschwert. Aber, und das klingt auch im Gespräch mit Thomas Oberender an: »es geht um was« - so übersetzt Handke das Wort »Drama«. Es bleibt nie bei der formal-theoretischen Ebene – selbst in den Sprechstücken vom Anfang nicht.
Über den »Beat von Achtundsechzig« und die ersten Stücke des damals als Provokateur empfundenen Jungschriftstellers erzählt Karlheinz Braun. Herbert Bannert weiss einiges über die drei Übersetzungen Handkes aus dem Griechischen zu berichten (»Prometheus, gefesselt«, Aischylos, 1986; »Ödipus in Kolonos«, Sophokles, 2003; »Helena«, Euripides, 2010), »allesamt in gewissem Sinne Außenseiter« in der griechischen Tragödiendichtung. Manchmal ergänzen sich die Beiträge auf wunderbare Weise, etwa wenn Franziska Schößler und Christoph Narholz ihre Eindrücke vom (scheinbar) stummen Stück »Die Stunde da wir nichts voneinander wußten« wiedergeben. Dass es dann doch ab und an kleine Widersprüche gibt, ist eine natürliche Angelegenheit und vermag den Leser durchaus anzuregen.
Und so schwankt der Leser oft zwischen geistreicher Lektüre und beschwingtem Blättern in den zahlreichen Dokumenten und dem Sich-Verlieren darin. Einmal aufgeschlagen, möchte man dieses Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legen. Und auch die rechtzeitig zur Ausstellung freigeschaltete Forschungsplattform der Österreichischen Nationalbibliothek zu Peter Handke lädt zum Verweilen ein; das bisher eingestellte Material verspricht für die Zukunft noch einiges. Klaus Kastberger und Katharina Pektor (mit Assistenz von Christoph Kepplinger-Prinz) haben großartige Arbeit geleistet (und so ganz »nebenbei« ist Pektor ja auch noch Mitherausgeberin des famosen Handke/Unseld-Briefwechsels). Und so hat Peter Handke nun auch im Netz einen Ort. Lothar Struck
.

INFORMATION

ab 31. Januar 2013
Österreichisches Theatermuseum
Palais Lobkowitz 
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
Öffnungszeiten
Täglich außer Dienstag 10 - 18 Uhr

Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!



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