Sunday, February 12, 2012

PLATZREGEN/ HOUR WE KNEW

"Die Stunde da wir nichts voneinander wussten." im Theater an der Wien. (Foto: Armin Smailovic)"Die Stunde da wir nichts voneinander wussten." im Theater an der Wien. (Foto: Armin Smailovic)





Großes Weltengetümmel auf wenigen Quadratmetern


„Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ in einer Inszenierung von Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper überzeugte nicht nur durch eine gigantomanische Anzahl von lebendigen Charakteren. Einen wesentlichen Part übernahm auch die Musik, die am Schluss der Aufführung noch mit einem Überraschungseffekt aufwartete.
Sie laufen, und laufen und laufen. Von links nach rechts, von rechts nach links. Alte, Junge, Demente, Fröhliche, Traurige, Verrückte. Sie tragen Aktenkoffer und schieben Geh-Hilfen, sie fahren Rad und rutschen immer wieder am glatten Parkett aus. Sie küssen sich, sich schlagen sich, sie umarmen sich und sie bleiben alleine. „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“, Peter Handkes hypertropher und zugleich stummer Text wurde drei Mal am Theater an der Wien im Rahmen der Wiener Festwochen aufgeführt. Das estnische Regie-Duo Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper zeigte seine Interpretation jenes Werkes, das seine Welturaufführung 1992 ebenfalls im Theater an der Wien erfuhr. Regisseur war damals Claus Peymann.
"Die Stunde da wir nichts voneinander wussten." (Foto: Armin Smailovic)
(Foto: Armin Smailovic)
Die beiden ersten Sätze des Textes werden bei Ojasoo und Semper auf die 17 Meter breite Bühne projiziert. „Die Bühne ist ein freier Platz im hellen Licht. Es beginnt damit, daß einer schnell über ihn wegläuft.“ Kaum gelesen, ertönt eine hohe Männerstimme aus dem Parkett. Hell und klar, aber raumfüllend tönt es durch den Saal. Lars Wittershagen ist dafür bekannt, Musik ausschließlich fürs Theater zu schreiben, wie auch für diese Aufführung. Der Text, der ihr unterlegt ist, stammt von Handke. Der einen Stimme werden im Laufe des Abends weitere folgen, insgesamt 16. Aber bis alle ertönen dürfen, dauert es eine Weile. Nach und nach gesellen sie sich zur ersten, ergänzen schließlich bin in den Bass alle Register. Rezitatorisch angelegt, werden immer nur wenige Sätze gesungen. Es sind minimale Regieanweisungen. Zusätzlich wird das Geschehen auf der Bühne über lange Strecken von elektronischer Musik begleitet, die sich Szenen anpasst und zeitweise Wohlklang mit irritierenden Tönen vermischt .

Don´t try to please me

Handke beim Wort nehmen und Handke mit eigenen Assoziationen neu denken, beides liefern die beiden Esten hier ab. „Seit der Entstehung des Stückes sind schon viele Jahre vergangen. Ich habe beim Lesen heute andere Assoziationen als der Autor sie bei einzelnen Szenen hatte. Aber wir hatten das Glück, dass uns Handke auf unsere Anfrage einen Brief schrieb mit dem Wortlauft: „Don´t try to please me“ erzählte Ene-Liis Semper im Publikumsgespräch.
Und tatsächlich prasselt an einer Stelle Regen, zumindest auditiv hernieder, erfreuen sich die Menschen daran, laufen davon – bei Handke bleibt alles stets im Trockenen. Da wird schon einmal ein Laptop angebetet und Kolonnen von Entlassenen schleppen ihre kleinen Kartons, in denen sich ihr Hab und Gut befindet, das einst in ihren Schreibtischen lagerte. Und dennoch ist das Stück kein allzu zeitgeistiges geworden. Es fehlen Alltagsattribute wie die überall und permanent präsenten Handys. Kein Platz würde sich heute ohne diese elektronischen Gadgets rühmen, ein wirklicher Platz zu sein.
(Foto: Armin Smailovic) 
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How connected are we to one another’s stories? Not at all when we really think, the hundreds, thousands of people we encounter are just extras in our own tale. So, when we truly sit back, soaking in the æther around us, we allow them to cross our paths. Peter Handke’s The Hour We Knew Nothing of Each Other was first performed in 1992. An epic of mime and movement, the repetitious acts of day to day life mingle with the past in this translation by Meredith Oakes.
Too many cooks can spoil the broth, though somehow the collective of 86 cast members complement each other, balancing hundreds of characters. The entire medley of human society is presented before us: vagabonds, hikers, chefs, nobility, rabble along with the fantastical. An undisclosed sequence of time occurs across Fly Davis’ set, the ‘town square’ of Handke replaced with a more bustling corridor motif.
Meaning doesn’t need to be mined from every production one sees. In truth, The Hour We Knew Nothing of Each Other merely elevates people-watching from pastime to artistic experience. An overarching narrative is not the intent of this piece, instead hundreds of differing breadcrumbs, loose ends and tales are stretched before us. None with a complete beginning, middle or end. As in life, we are passing ghosts through someone else’s story.
Handke however, can be accused of slinking in a few thematic tropes. Primarily, our numerous cast member’s duck, weave and graze off one another: all seem grounded. Unyielding, masterless and free in reality and time. Both flux amidst the bustle. The utter paradox found in recognisable figures of history – mixed with those of scripture, fiction and religion, is fascinating. From Moses’ deliverance of the Commandments to the Huntsman serving Snow White’s ‘heart’ in the glass case. Victorian London glides side by side with present age children, all the while an Egyptian burial sequence is underway.
Just as the Reaper is carted offstage, a character struck down whilst lovers rekindle. The brutality, neigh honesty presented before us, is what makes Handke’s piece work regardless of silence. Wils Wilson and Janice Parker communicate more in this revised interpretation, however. Still, at its core the same text, sequences have been changed  whilst keeping the humour. New inserts have been added to draw us into a recognisable world. Refugees, smartphones and effigies of orange skinned Presidents.=====================================










Ein zauberhafter Reigen der Bilder und Töne feiert den Augenblick: Szene aus Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander  wußten“
Ein zauberhafter Reigen der Bilder und Töne feiert den Augenblick: Szene aus Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander  wußten“ - Foto: /Wiener Festwochen/Armin Smailovic













Alles Schöne ist schief", sagt die draußen affichierte Werbung. Und: "Wir sind ein Schatten deiner selbst." Im Foyer des Thalia Theaters in Hamburg wird diskutiert. Ist ein Stück ohne Worte schon ein Stück? Die Frage ist ein Klassiker, bezogen auf "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten".
Keine Dialoge, nur Spielanweisungen für Schauspieler gab Peter Handke für seine bei den Wiener Festwochen 1992 uraufgeführte Beschreibung des Treibens auf einem europäischen Platz. Flüchtige, oft skurrile Momentaufnahmen. Denn Handke sagt nicht viel mehr als: Jemand geht von irgendwo nach irgendwohin.


Ein leeres Stück













Die Stunde da wir nichts voneinander wußten<br />
von P
Foto: /WFW
Das estnische Regie-Duo Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper hat in seiner bei der Premiere am Donnerstag heftig akklamierten Version – ab 21. Mai bei den Wiener Festwochen im Theater an der Wien – jeden Augenblick mit sehr heutigen Bildern gefüllt und eine choreografische Maschine entwickelt, die das Allgemeine, mitunter Banale zum Besonderen stilisiert.
135 Minuten nonstop ein Bilderschwall. Ein Mosaik zum Teil starker Szenen. Ohne Worte, abgesehen von sparsamen Gesangs- und Choreinlagen, aber körpersprachlich beredt. Menschen gehen, schlendern, laufen, springen scheinbar ziel- und gedankenlos über die Bühne. Zuerst graumausig vor einer grauen Wand, später kommt in immer neuen Situationen auch optisch Farbe ins bunte Treiben.
Mehr als zwei Dutzend Darsteller spielen gefühlte 200 Figuren, Verrückte und Normale. Menschen verschiedener Ethnien und Religionen und mit unterschiedlichen sexuellen Vorlieben. Alle, die da kommen und gehen, geben in ihrem oft sinnentleerten Aktionismus und erstarrten Ritualen ein absurd-komisches, jedenfalls irritierendes Bild ab.

Zahllose Passanten













GRAZER SCHAUSPIELHAUS: "DIE STUNDE, DA WIR NICHTS
Foto: APA/PETER MANNINGER
Ihren Auftritt haben u. a. ein Angler mit einem Fisch in der Hand. Obdachlose mit ihrer Habe im Kinderwagen oder Einkaufswagerl. Ein Rotkäppchen, Sisyphos, ein Mann mit goldener Kugel und Leuchtschnur ... Vertraut aus der Alltagswelt: eine geschniegelte Airline-Crew, hyperventilierende Girlies, Straßenkehrer, ein Tanz der einsamen Herzen ... Aber auch viel Verrätseltes, Mythisches, Archaisches bleibt unaufgelöst oder ist als Startrampe für Träumereien und Assoziationen gedacht.
Das meiste ist gegen den Zeit-un-geist des schnellen Schnitts gebürstet. Aber manches wird auch zur harten Geduldprobe, wenn sich die Performance zwischendurch immer wieder zur Superzeitlupe verlangsamt, wenn gebückte Frauen in Schwarz – stumme Klageweiber – die Bühne queren.
Das Stück? Das sind die Bilder und was sie in den – hoffentlich nicht leeren – Köpfen der Zuseher erzeugen. Und sie erzählen eine Tragikomödie der Menschen.
KURIER-Wertung:

http://derstandard.at/2000015156146/Handkes-Piazza-muss-nicht-nur-in-Tallinn-sein

Handkes Piazza muss nicht nur in Tallinn sein

Ein Update von Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" im Hamburger Thalia Theater fügt dem Stück nicht viel Neues hinzu. Ab 21. Mai läuft die Aufführung bei den Festwochen.

In Peter Handkes Schauspiel Die Stunde da wir nichts voneinander wussten befreit sich das Theater von einer schweren Last. Gezeigt werden keine Figuren, sondern Typen, die sich ganz auf ihr stummes Tun konzentrieren. Der Schauplatz ist "ein freier Platz im hellen Licht".
Der Platz ist wunderbar genau gezeichnet und umschließt doch die ganze Welt. Winde blasen über ihn hin, was famos zum Aufführungsort Hamburg passt. Donner rollen, und manchmal mischen sich sogar mythologische Figuren in das Gewirr der Phantome. Als Freilufttheater ist Handkes Piazza republikanisch, insofern sie Menschen aus völlig unterschiedlichen Klassen und Regionen Quartier gewährt. Wenn auch jeweils kurz. Handkes Schau-Platz ist ein Transitort. Wer ihn quert, tut es in dem sicheren Bewusstsein, ihn bald wieder verlassen zu dürfen.
Jetzt, 23 Jahre nach der Uraufführung, hat man diesen herrlichsten Nicht-Ort der Welt im Hamburger Thalia Theater neu verlegt. Er ist auch nicht allein hamburgisch. Für seine Bespielung zuständig erklärt hat sich das estnische Regie- und Ausstattungspaar Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper. Ihr Versuch, die verblassten Schemen neu zu beleben, wird ab 21. Mai im Rahmen der Festwochen im Theater an der Wien zu bestaunen sein.
Von Handke höchstselbst haben die beiden Gründer des Teaters NO99 die Erlaubnis erwirkt, das Konzept der Platzbeschau ins Heute herüberzudehnen. Es hat sich einiges verändert seit 1992. Nicht nur in Tallinn wird man Zeuge der Neuordnung unserer Gesellschaften.

Süßer Trost der Musik

Hinzugefügt haben sie auf jeden Fall die Tröstung durch die Musik. Ein Countertenor singt mit zuckersüßem Melos szenische Anweisungen. Vor einer grauen Betonmauer huschen die ersten Passanten vorüber. Es herrscht "Rushhour". Die Zuträger des Kapitalismus hetzen so geschäftig über den Platz, als müssten sie allein durch ihr Schritttempo Unabkömmlichkeit demonstrieren. Ojasoo/Sempers Konzept lässt sich am ehesten als physikalische Versuchsanordnung begreifen.
Während im ersten Drittel noch das Bild einer belebten Straße vorherrscht, weitet sich das Spiel recht bald aus. In den Blick rücken die Wohlstandsverlierer. Unterstandslose schieben ihre Habe in Einkaufswagen vorüber. Eine verstockte Alte, die an der Wand einschaut, entpuppt sich als Diebin von billigen Textilien. Eine kommunale Reinigungskraft schiebt die deklassierte Person mit dem Besen von der Bühne.
Was an der fast zweieinhalbstündigen Aufführung dann doch verblüfft, ist der Witzzwang, unter dem sie steht. In Handkes Text kommt es zu allerlei Kollisionen. Menschen treffen aufeinander, ohne der jeweiligen Begegnung ganz gewachsen zu sein. Wunderschöne Frauen stöckeln durch dieses Panoptikum. Jede Einzelne von ihnen scheint, um es mit Romy-Preisträger André Heller auszudrücken, "verwunschen". Hier, im Update anno 2015, sieht man vor allem – zauberhafte – Darstellungsbeamte bei der Arbeit. Die est nischen Künstler haben der Stunde da wir nichts ... die verquere Handke-Poesie doch recht gründlich ausgetrieben. Man freut sich über nährstoffreiche Ergänzungen des Bildervorrats. Und doch wird man den Eindruck nicht los, Ojasoo/Semper hätten erstbeste Einfälle in stummes Handeln übersetzt.
Die Erweiterung unserer Gesellschaft mit den Mitteln der Multikulturalität ist die entscheidende Zubuße gegenüber 1992. Vollends unverständlich bleibt es daher, wenn man die Integrationsschicksale schwarzer Migranten zum Zweck der Pointenmaximierung missbraucht. Ebenso unpräzise ist es, die dringend gebotene Koexistenz der Konfessionen platt zu bewerben – wenn zum jüdischen Gebet an der Klagemauer der Ruf des Muezzins erschallt.
Man hält sich lieber an die sicheren Lacher. Versehrte und Alte werden einem beinharten Casting unterworfen, einem Rollstuhlfahrer wird der beste Blowjob seines Lebens beschert. Das ist alles liebenswürdig gemeint. Und liegt doch ein paar Meter von Peter Handkes Paralleluniversum entfernt. In den Schlussjubel mischten sich vereinzelte Buhrufe. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 2./3.5.2015)
Die Reise erfolgte auf Einladung der Wiener Festwochen. Der Vorverkauf an den Kassen startet Samstag.
www.festwochen.at

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/peter-handke-die-stunde-da-wir-nichts-voneinander-wussten-a-1031653.html
S

also see: http://www.abendblatt.de/kultur-live/article205285667/Theater-ohne-Worte-auf-der-Thalia-Buehne.html


o ist das Leben! Ist es so? Das Schöne an Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" sind die vielen Menschen-Bilder und oft rasend kurzen Szenen, aus denen sich jeder seine Essenz vom Dasein picken kann. Das ist Schau-Spielen in seiner pursten Form, getanzt, gekeucht, gelacht, geschrien, nur ohne Worte.
Fast atmet der Zuschauer die Bewegung mit. Das Erschreckende hingegen ist die Fülle dieses monströsen Bewegungsessays, die förmlich erdrückt, wo man die Komik als Erleichterung herbeisehnt, bevor der Horror wieder zuschlägt. Schlimme Wechselbäder. Aber so ist doch das Leben! Oder?
Was sich Peter Handke vor über 20 Jahren ausgedacht hatte und dann 1992 in Wien unter Claus Peymanns Regie uraufgeführt wurde, sollte ja als Thema zeitlos sein. Am Hamburger Thalia Theater hat sich jetzt das estnische Regie-Duo Ene-Liis Semper und Tiit Ojaso Handkes Stück vorgenommen und dabei entscheidend eingegriffen.
Hatte der große Jürgen Gosch (1943-2009) am selben Ort vor zwei Dekaden nur etwas über eine Stunde für seine Version benötigt, so dehnten Semper und Ojaso das Werk auf satte zweieinhalb Stunden. Kein Wunder, das Sujet verführt dazu.
Ort des Spiels ist ein fiktiver Platz in Europa, auf dem sich Menschen, die sich nicht kennen, in kurzen und längeren Momenten begegnen, Paare/Passanten, stereotype Situationen, erkennbare Gruppen wie Geschäftsleute oder Piloten, dazu amorphe Massen oder markante Figuren. Mit dieser Grundidee kann man trefflich spielen, und die Regisseure holten sich sicherheitshalber vom Meister Handke die Erlaubnis, das Muster seiner detaillierten Regieanweisungen ein wenig dehnen zu dürfen. Man weiß ja, dass Autoren oder deren Erben bezüglich ihrer Werke zickig sein können. Handke hatte nichts gegen gewisse Aktualisierungen, zumal die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts inzwischen wirklich etwas patiniert sind.
Erleuchtung inklusive
Zunächst bekam der Platz eine mächtige bewegliche und dramaturgisch akzentuierende Mauer, die ein wenig an Dimiter Gotscheffs Gebäude in der legendären Berliner Inszenierung der "Perser" erinnerte. Klar, dass selbiges Bauwerk später zur Klagemauer mutierte, am Ende der Inszenierung gar zur Paradiespforte inklusive buchstäblicher Erleuchtung, Vertreibungsszene und Auftritt von Gottvater, Sohn sowie Maria und Joseph.
Alles ist in dieser Handke-Afri-Cola, sogar ein wenig seliger Hippie-Schmu. Diese Erweiterungen zerrten etwas an den Nerven, zumal sie einzelnen Szenen (tanzende Soldaten in Tarnanzügen) arg an Regietheater-Urstanzen erinnerten. Und der Idee der Aktualisierung, die sich gerade bei Kriegsthemen derzeit anbietet, etwas entgegenlief. So blieb Manches im Ungefähren und führte zu vermeidbaren Längen.
Was aber in der Fülle der Szenen beeindruckte, war der hingebungsvolle Einsatz der vielen Akteure. Sei es Karin Neuhäuser als in Ehren ergrauter Marylin-Monroe-Ersatz, Mathias Leja in zahllosen Rollen oder Sebastian Rudolphs gesammelte Exzentrikerporträts: Ergänzt von einem Heer wunderbar beweglicher und ausdrucksvoller Komparsen ließ das Regieduo die Thalia-Bühne förmlich explodieren, um sie anschließend in nahezu meditativer Stille versinken zu lassen. Sambatänzer und Muslimas, selbstbewusste Exhibitionisten und Rollstuhlfahrer beim Blowjob.
So ganz ohne Texte ging es dann doch nicht ab. Die aber waren gesungen, von einem großartigen Chor, wie aus einem Oratorium. Peter Handkes Regieanweisungen zu seiner Großpantomime "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" erklangen gleich zu Anfang. Unterstützt von sehr abwechslungsreicher Bühnenmusik (Lars Wittershagen) begleitete dieser Chor, effektvoll als Besucher in Parkett und Rang platziert, die Handlung, sorgte für kräftige emotionalisierte Akzente, manchmal kitschig, immer effektvoll und am Schluss, als die Bewegung auf der Bühne erstarrte, gar als quasireligiöse Überhöhung.
Ein Tick zu viel für manche im Publikum, aber in dieser pathetischen Inszenierung doch konsequent. So ist es eben, das Leben, nicht immer geschmackvoll, aber oft prallvoll.


also see:  http://blog.zeit.de/hamburg-veranstaltungen/2015/04/26/peter-handke_9640














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Foto: Oliver Proske

BÜHNEPeter Handke


Sein Stück "Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten" wird mit sich selbst verglichen – Part 1 auf Kampnagel (K6).
Der Titel Die Stunde da wir nichts voneinander wusstenerscheint geradezu programmatisch. Besteht Peter Handkes Stück doch "nur" aus 60 Seiten Nebentext für zwölf Schauspieler, die er in wechselnden Rollen in einem endlosen Reigen von meist absurd überzeichneten Alltagsszenen stumm über einen lichten Platz flanieren lässt. Dies allerdings in einer so überbordenden Reichhaltigkeit von Details, dass die Fülle der Leben und Schicksale dahinter schier überwältigt. Gesprochen wird nicht, dafür aber unentwegt kommuniziert ... oder?! Jetzt bietet sich die seltene Gelegenheit, diese Frage an zwei unterschiedlichen Versionen zu überprüfen. Am Thalia Theater inszenieren die estnischen Regisseure Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper Handkes Stück als ebenso verstörende wie poetische europäische Utopie. Auf Kampnagel variiert es das Berliner Theaterensemble Nico and the Navigators in Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten als Folie medialer Überforderung und kommunikativen Scheiterns.
Text: Reimar Biedermann




stuttgart, 18.02.2012

Bunga bunga

„Platzregen / Eine Entfernung zu Peter Handke“ uraufgeführt im Theaterhaus Stuttgart


Jule Flierl in "Platzregen/ Eine Entfernung zu Peter Handke" . Foto © Schestag 

Die jüngste Produktion des gut eingespielten Männertrios − Fabian Chyle (Konzeption und Choreografie), Festivalleiter Hans-Peter Jahn (Konzeption und Dramaturgie) und Bühnenbildner Adrian Silvestri (Bühne, Ausstattung und Grafik) – widmet sich, mit Bezug zu Peter Handkes „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“, dem Platz als öffentlichem Ort. „Platzregen / Eine Entfernung zu Peter Handke“ titelt die Performance, die beim „Eclat“-Festival Neue Musik im Theaterhaus Stuttgart erstmal gezeigt wurde. 

Den Soundtrack zur Uraufführung hat Alvaro Carlevaro geliefert. Der Komponist mit uruguayischen Wurzeln hat aus Handkes Text die Adjektive herausgefiltert und im Vokalstück „14 unbemalte Bilder für 28 Stimmen“ zu einem formalästhetischen Klanggewebe verarbeitet, das als musikalische Klammer der Tanzversion dient. Chyle, Jahn und Silvestri, berüchtigt für ausufernde Ideen-Vielfalt, breiten zum Tonbandzuspiel eine Menge Material aus: Eingetopfte Zierbäumchen, ein Bretterverschlag, Riesenventilatoren, hunderte Säcke Blumenerde, eine Plastikpuppe (verkleidet als Doppelgängerin einer Tänzerin), Megafone, mehrere Jalousien (auf einer das Bild des Tahir-Platzes), eine Schubkarre, eine Messlatte, die Kopie einer dieser antiken Skulpturen-Imitate aus dem Gartencenter, sowie Flaggen und Fähnchen unterschiedlichster Länder, Couleurs und Größen. 

Als wären es der Gegenstände samt Anspielungen, Ausdeutungen und Symboliken nicht genug, werden noch fünf veritable Fahnenschwenker in den Warenkorb gepackt, die in mittelalterlicher Tracht einmarschieren, einen Kurzauftritt liefern und abtreten. Zudem taucht wiederholt eine stumme Figur in schwarzer Burka auf, die sich (wer hätte es nicht vermutet?!) als Mann entpuppt. 

Die sieben Tänzerinnen und Tänzer (Angelina Deck, Jule Flierl, Tereza Lenerova, Claudia Senoner, Anders Kallesoe Jensen, Andre Soares, Karol Tyminski) haben alle Hände voll zu tun. Auf- und überdreht wie Roboter auf Speed wird eine Schubkarre hin- und her gekarrt, am Mast wird masturbiert und die Plastikpuppe wird zum Objekt, an dem sich aggressiver Stau und sexuelles Bedürfnis entladen. Die Plastiksäcke mit Blumenerde werden zu einem großen Feld ausgelegt, darüber wird ein Steg aus Brettern gebaut, auf dem, wie im Film, eine Vergewaltigung gespielt (oder geprobt), abgebrochen und wiederholt wird. 

„Ich möchte lieber ahnen statt wissen. Sprache ist ja in aller Regel zerstörerisch. Wenn sie nicht den richtigen Augenblick findet, zerstört sie das Ungesagte.“, so Peter Handke, der mit „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ ein Theaterstück ohne Dialoge geschrieben hat. Hauptakteur des Stücks ist ein Platz, der realen Charakter hat, zugleich aber ein beliebiger Platz irgendwo sein kann. Ein Dutzend stummer Akteure spielen Alltägliches, begegnen einander, helfen sich gegenseitig, behindern sich, schließen sich zu Gruppen zusammen und lösen sie wieder auf. Obwohl sich die Begegnungen intensivieren, hat das Welttheater nicht den Anschein, als würde da ein Volk zusammenwachsen. 


"Platzregen/ Eine Entfernung zu Peter Handke" im Theaterhaus Stuttgart. Foto © Sigmund 

Während sich die Handlung bei Handke dramaturgisch entwickelt, tritt das Stück „Platzregen“ auf der Stelle. Im Vorfeld zum Festival-Höhepunkt stilisiert, haben sich die drei Musketiere Chyle, Jahn und Silvestri den „Eclat“ auf die Fahne geschrieben und reiten mit wachsender Begeisterung auf der vermeintlich provokativen Antithese zu Handke herum. Ist das Stück bei ihm einzig Regieanweisung, verzichten Chyle, Jahn und Silvestri explizit auf Regie. Konzentriert sich Handke auf den Platz im Allgemeinen, suggeriert die Wahl der Gegenstände einen speziellen Platz. Versucht sich Handke in Reduktion, veranstaltet die Inszenierung eine Materialschlacht. Schließlich wird statt Schweigen den Protagonisten Geschwätzigkeit verordnet. Körpersprachlich wird selten interagiert, vielmehr hampeln und strampeln, holpern und stolpern, ruckeln und zuckeln sie wie auf- und überdrehte Mechanismen, eine Art fleischgewordenes Reiz- Reaktionsschema mit Aussetzern. Wortsprachlich lautet ein Dialog: „I want to reproduce with you“, kein Problem, denn die männliche Antwort auf den weiblichen Wunsch lautet: „I have a good DNA“. 

Im Gestöhn, Geächz und Gekreische schält sich aus Bergen von Bildern und Aktionen die Erkenntnis heraus: Der Mensch ist des Menschen Rammler. Trotz großer darstellerischer Anstrengungen und einiger poetischer Momente – vor allem der zerbrechlichen wie ausdrucksstarken Jule Flierl gedankt – versackt das Stück im spätpubertären Habitus einer auf Protest gebürsteten, übersättigten Männergesellschaft, die sich erinnert: Da war doch noch was? Na klar, bunga, bunga! Der (er)klärende Regen bleibt allerdings aus. 

Autor: Leonore Welzin



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“Platzregen” (Downpour) and the Piano Take Centre Stage – ECLAT 2012 (2/10/2012)

17 premieres will be performed at ECLAT, the festival of new music in Stuttgart, from 9 to 12 February 2012.

Platzregen / eine Entfernung zu Peter Handke, photo: Rüdiger Schestag

During ten of them, the piano as a solo instrument, while partnering other instruments and in conjunction with electronic music, will be taking centre stage: the pianists Nicolas Hodges, Ian Pace, Christoph Grund, Yukiko Sugawara and Florian Hoelscher will be exploring new possibilities on the keys of this instrument.

Neue Vocalsolisten, photo: Martin SigmundTwo premieres involve the SWR experimental studio; the SWR Vocal Ensemble Stuttgart and the Stuttgart Radio Symphony Orchestra of the SWR will perform two each, and three more will be performed by the Neue Vocalsolisten.

Poster ECLAT 2012, designed by: palmer projektGuest performers include the Austrian Ensemble for Contemporary Music from Salzburg, the Trio Accanto and the Stadler Quartet. One of the highlights will be the dance/musical theatre work Platzregen (i.e. Downpour) by Fabian Chyle.

Platzregen is based on Peter Handke’s Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten(i.e. The hour when we knew nothing of each other). This play is not depicted or translated scene by scene into dance; rather Chyle distances himself by transforming the central location from Handke’s original work in order to create a charged, shifting place that is more than just a meeting point or urban setting.
PR/Vaclav Demlinghttp://www.goethe.de/kue/mus/nac/en8827479.htm





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Witzig und komödiantisch

VON KRISTINA WIECHERT
REUTLINGEN/BOUAKE. Leiterin Sonka Müller hatte sowieso nur die strapazierfähigsten unter ihren Jungschauspielern vom Teenie-Theater-Treff des Theaters »Patati-Patata« mitgenommen - doch auch sie bekamen vor dem Flug nach Westafrika schier kalte Füße. »Ich kann's mir nicht vorstellen- wie soll das denn klappen?«, fragten sie sich vor ihrem Abflug am 24. Oktober nach Bouaké, Reutlingens ivorischer Partnerstadt.

Theater frei nach Peter Handke: Jungschauspielerin des Theaters Patati-Patata mit afrikanischer Partnerin in Bouaké.  FOTO: PR
Theater frei nach Peter Handke: Jungschauspielerin des Theaters Patati-Patata mit afrikanischer Partnerin in Bouaké. FOTO: PR
Dort sollten sie auf Deutschlehrer Adama Coulibaly samt sieben Schülerinnen und Schülern vom Lycée Classique et Moderne treffen und innerhalb von drei Wochen gemeinsam ein Stück erarbeiten. »Aber das klappte innerhalb von 24 Stunden«, berichtet Jana jetzt beim Pressetermin begeistert. »Die Ivorer waren so offen!«, zeigt sich auch Sonka Müller beeindruckt. Mit »Die Stunde da wir nichts voneinander wussten«, frei nach Handke, war das interkulturelle Theaterprojekt denn auch überschrieben. Ob Schnee töten kann, wollte ein afrikanischer Jugendlicher wissen, ein anderer träumte vom Fußball und von Scouts, die ihn entdecken. Die Deutschen guckten dafür entsetzt aus der Wäsche, als nach der Aufführung kein langer Schlussapplaus erklang - aber dafür gab es viel Zwischenapplaus und eine spontane Party. »Auch der höfliche Umgang ist dort anders«, erzählt Verena, »bei uns zählt Ehrlichkeit zum Respekt, dort gilt dafür der Respekt vor den Alten viel mehr.« 

Aus den Begegnungen der jungen Leute, die sich vorher nur über E-Mails kannten, entwickelte sich ein witziges komödiantisches Stück, das die jugendlichen Schauspieler vor insgesamt knapp 1 000 Zuschauern in vier Aufführungen auf die Bühne brachten (im Schulhof, in der Stadthalle von Bouaké, im Goethe-Institut und in einem katholischen Internat, beide Abidjan). 




Als nächstes bereiten sich die sechs vom Teenie-Theater-Treff auf »Afrika oh Afrika - Grenzerfahrungen« vor, mit dem sie am 21. Januar im Kulturzentrum franz.K Premiere feiern. Mit ihrem theatralen Reisebericht über Bouaké bringen die jungen Akteure ihre Erfahrungen in und mit dem schwarzen Kontinent spielerisch auf die Bühne. 

Im nächsten Juli möchten Sonka Müller und die jungen Schauspieler die ivorischen Freunde nach Reutlingen einladen. Das jetzige Stück soll dabei übernommen, aber dieses Mal auf den Blickwinkel der afrikanischen Jugendlichen zugeschnitten werden. Schnee und europäische Hektik dürften nicht die einzigen Erscheinungen sein, die die jungen Gäste erschrecken und faszinieren werden - es bleibt also spannend. 

Die Schauspieler: Verena Plath, Hannah Levene (beide Isolde-Kurz-Gymnasium, 12. Klasse), Yanick Ettwein, (IKG, 11. Klasse), Jana Schönwetter (Hermann-Hesse-Realschule, 9. Klasse), Laura Kipp (Friedrich-List-Gymnasium, 11. Klasse), Mark Sinzger (Mathematikstudent, Tübingen). (GEA) 

www.theaterpatati.de 




 



Friday, January 6, 2012

HOW HANDKE"S RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE WORKS

https://handkeonline.onb.ac.at/node/460
performance and premier background


 An  OUT-TAKE from "Experiences with Handke plays and texts" that may answer any questions you still have about RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE.
The effect of the 1970 RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE is very different. The play presents itself as that of actors assuming the roles of older actors, a kind of KASPAR en masse on first blush, everyone wants to be “someone who was somebody once upon a time,” and they act as if; they are young and are trying out roles and they are grandiose! But RIDE is chiefly a language game where sentences are handed off and queried, a kind of wild ride of associations, the danger being that you cannot hand off a sentence, will be left without a repartee, drop the baton and that the ice of language on which you ride shatters and you will drown. Your mind will freeze up. As compared to the other early Handke plays I had not the faintest how it would play or what my experience of it would be: Handke's other early texts I knew what they would do to an audience not only because I had translated their serial procedures but because I had directed them and had seen Herbert Berghof direct them. Nor had I participated in rehearsals of Ride at the Vivian Beaumont – I was more interested in a woman and spending time with her in Woodstock. It happens. I took Max and Marianne Frisch to the premiere as well as my woman. Max did not care for the play at all. It seemed to make him angry. Was it the plays implicit promiscuity, the aggressive and sinister undertone? I forgot what Marianne’s and Cathy’s reactions were. Me, however, the performance transported into a state of pure stasis. The 90 minute juggling act, the various, sometimes sinister games that the half dozen actors playing actors had played – “The drawer is stuck”, “Let the drawer be stuck.” – had the effect of cleaning all the crap in my mind out of it. It was not a sublime experience, it was one of pure stasis, of pure being you might say, as some of Handke’s texts, too, have effected, a benign form of dissociation, as compared to several other painful ones I experienced as the after effect of marijuana

That is why I am trying to formulate this particular RIDE experience, which Handke achieves once more in the summa of his early happenings - for that is what THE HOUR WE KNEW NOTHING OF EACH OTHER is of all the former, what genius it takes to find that solution [!]. There, in Hour, using nothing but images, a succession of them, to discombobulate the inured mind into experiencing it as something fabulous. There is something very positivistic about that kind of experience, and it might be an instance where Adorno and Popper would find rare agreement. Adorno prior to his death in 1969 expressed his admiration of Handke’s work, at least to me.
    I saw that Lincoln Center production of RIDE a few more times full length, and then only needed to go for a ten minute "hit" as it were, homeopathic, to feel liberated during its five week run. I couldn't account for the experience, as I might for a drug hit, and did not experience anything like it until what is called "a good hour" in analysis. The experience of stasis was produced by the sheer playfulness of the illogicality, or new, inverted kind of logic, of what transpired on stage, that might also be called an utter anti-boulevard boulevard play. Richard Gilman pointing out that Handke in RIDE used Wittgensteinian querying of language does not really help, and Dick wrote his piece without having seen the performance. Handke might have used inverted legal procedures, the resulting absurdity does the trick of being utterly liberating, of wiping the slate clean. Is it the liberation from the querying that existentially is always with us? Of the inured logic of our daily lives? Perhaps so, if we take Handke’s great The Art of Asking as the answer to that questions as to “when and wherefore and why” not being the questions to posed.

 »In uns die Fragezeichen sind heutzutage krank. Können keine richtigen Fragen mehr bilden. Sind deshalb in unseren Köpfen ausgebrochen als die Pein des Geredes. Welches jede Frage erstickt. Welches die Herzen auffrisst. Welches mit uns aufräumen wird, wenn wir, statt von der Wunde abzulenken, ihr nicht auf den Grund zu gehen versuchen.«

At the first performance of
Handke's RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE
 at the Vivian Beaumont
at Lincoln Center,
 the chiefly subscription audience,
beneficiaries of premieres, revolted
at being involved in a piece without a story,
confronted with pure
action, with a verbal game

"George: And have you ever heard of a "fiery Eskimo"

Jannings: Not that I know
George: If you don't know it, then you haven't heard of it either. But the expression "a flying ship" - that you have heard?
Jannings: At most in a fairy tale.
George: But scurrying snakes exist?
Jannings: Of course not.
George: But fiery Eskimos - they exist?
Jannings: I can't imagine it.
George: But flying ships exist?
Jannings: At most in a dream.
George: Not in reality?
Jannings: Not in reality.
pause
George: But born losers?
Jannings: Consequently they exist.
George: And born trouble makers?
Jannings: They exist.
George: And therefore there are born criminals.
Jannings: It's only logical.
George: As I wanted to say at the time...
Jannings: [interrupts him] "At the time"? Has it been that long already?
George [hesitates, astonished] Yes, that's odd! [Then continues rapidly] Just as there are born losers, born troublemakers, and born criminals, there are [he spreads is fingers.] born owners. Most people as soon as they own something are not themselves any more.[Those who are familiar with the subsequent, what I call "the transitional play", THEY ARE DYING OUT [1973]will note the similarity between RIDE and DYING in an instance like this one.] “They lose their balance and become ridiculous. Estranged from themselves they begin to squint. Bed wetters who stand next to their bed in the morning. [The bed signifies possession. Or perhaps their shame?] [brief moment of confusion, then he continues at once]. I, on the other hand, am a born loser: only when I possess something do I become myself...
Jannings: [interrupts him] "Born owner" I've never heard that expression.
pause
George: [suddenly] "Life is a game..." You must have heard people say that?
P. 77
George: Only one thing I don't understand. Of what significance is the winter evening to the story? There was no need to mention it, was there? [Jannings closes his eyes and thinks] Are you asleep?
Jannings: [opens his eyes] Yes, that was it! You asked me whether I was dreaming and I told you how long I sleep during the winter nights and that I then begin to dream toward morning and as an example I wanted to tell you a dream that might occur during a winter night.
George: Might occur?
Jannings: I invented a dream. As I said, it was only an example. the sort of thing that goes through one's head... As I said - a story?
George: But the kidneys flambe?
Jannings: Have you ever had kidneys flambe?
George: Not that i know.
Jannings: If you don't know, then you haven't had them....
Von Stroheim: Did you dream about it?
Porten: Someone mentioned it in a dream [she hands the pin to Bergner] When I saw the pin just now, I membered it again. And I had thought about it as also just another word.
George: Once someone told me about a corpse with a pinhead-sized wound on his neck [pause] [to Jannings] did you tell me about that?
The above might also be regarded as a children's language game except that the language routines they employ are Wittgensteinian in nature. Moreover, RIDE plays right on the threshold between dream and waking as is evident from these quotes and is announced at the very beginning of the play, right after the Woman in Blackface has vacuumed up the "old theater"; and this dream quality/ possibility/ switching back and forth further disrupts whatever firm orientation the audience may have about the trip on to which this play takes them.

lacking a strap
 to hang their minds on to!

Stories, diverters from writing, from reading closely!
Thomas Bernhard, famously, fled a story as soon as he’d got its mere whiff!


During my 1957 Junior Year semester in Berlin I attended theater each and every night and saw all the performances at the Ensemble, but never experienced a catharsis of any kind, Aristotelean or non.(It was a threesome of Fred James, Ralph Langbacka who became a famous Finnish director and I).
 However, each performance, done in the Brechtian style, no matter whether of a Brecht play or, say, Synge, even Johannes R. Becher’s STALINSCHLACHT, was exquisitely aesthetic, beautiful to the point of being painful!
   About ten years later I became the translator of all of Peter Handke’s early plays up until the early 80s WALK ABOUT THE VILLAGES, and directed the earliest performances of them in New York, and worked with some excellent people on these texts, Herbert Berghof at his HB Studio and E.G. Marshall, and Peter Brook, and thus knew how all these plays worked, what effect they had on an audience: these plays were all what might best be termed happenings, formalized, musically formed, experience pieces, but for RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE. I had translated it but hadn’t the faintest what its effect might be, or even what it was, the piece has no story of any kind, though it made you seek to find one in the arc of its events – a lack of story that the premiere audience, used to securely strap hang on to a story, found most upsetting; it’s highpoint is when the actors celebrate “that the drawer is stuck. Let it be stuck.” (Handke’s way of singing the Beatle’s LET IT BLEED)
 In the early 70s there was its premiere at the Vivian Beaumont at Lincoln Center under direction of Carl Weber, Jules Irving head of theater. I briefly had a full time – and I mean full time with Suhrkamp’s output - job as agent for Handke’s publisher Suhrkamp Verlag & weekends was out of town, so did not attend a single rehearsal, and thus was virgin at the premiere. With what is occurring on stage – actors pretending to be famous film actors from the thirties, waking up from dreams, constantly quibbling over verbal distinctions, sinister matters such as a pair of twins grabbing at genitals -  superficially LAKE CONSTANCE might remind you of an absurdist Ionesco piece. Subsequent to the performance I felt absolutely marvelous. I don’t recall what my bright and beautiful date felt or said, but Max Frisch, the Suhrkamp author whom and his wife Marianne I had taken along, and who had pronounced Handke’s KASPAR the play of his (fatherless) generation was extremely angry and upset, and I regret that I failed to inquire why (perhaps there is a diary entre?).

Subsequently I attended it might be just ten minute of just about every performance, like an addict to get jut a brief “hit” of what was more than the ordinary magic of theatricality of the opium of LAKE CONSTANCE. The experience was filed away as unique.      About ten years later I did a psychoanalysis. Occasionally there would be a session subsequent to which during my five mile walk downtown in Manhattan and for the rest of the day I felt equally marvelous as I had ten years prior after the performance of LAKE CONSTANCE. In both instances the processing, the cleansing of unpleasant matters, had been subliminal, the sum of the experience, the relief, and you could only point to the sum. (No doubt a neurologist could point out the activity in a brain.)
What the two experiences had in common was something that Richard Gilman, author of THE MAKNIG OF MODERN THEATER, and first serious American theater person to write about Handke’s stage pieces, felt had something to do with Wittgenstein’s PHILOSOPHICAL INVESTIGATIONS, the constant distinctions being made, the reiteration of them. However, Dick, who became a good friend over Handke, had not EXPERIENCED the piece! To be subjected to a subtle onslaught of distinctions of that kind, in the most playful of manners, BREAKS DOWN the logicalness of the world – it DOES NOT say anything about the world, whether it is logical or not, but your defenses disappear, and when your defenses disappear you are no longer in a state of fear. Sublime. That is how Handke achieves CATHARSIS in LAKE CONSTANCE & in HOUR WE KNEW NOTHING OF EACH OTHER, where the the SUCCESSSION of one magical image after the other breaks down the customary defenses and which Steve Pearson directed at the UW drama school in the later 90s.
http://handke-drama.blogspot.com/2012/01/how-handkes-ride-across-lake-constance.html



Monday, December 26, 2011

LINKS TO HANDKE DRAMA PHOTOS SORTED BY PLAY


HERE NOW  THE LINKS TO THE HALF DOZEN PICASA PHOTO ALBUMS DEVOTED TO PETER HANDKE'S PLAYS -
AND SOME NEWS TOWARD THE END OF THIS COMMUNICATION -
THAT CAN BE FOUND UNSORTED AT:
https://plus.google.com/photos/106505819654688893791/albums/5307894220077867457

SORTED INTO:
 
1] PUBLIKUM/ OFFENDING + SELF-ACCUSATION
 

2] RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE

3] THEY ARE DYING OUT

4] KASPAR

5] MY FOOT MY TUTOR

6] UNTIL THE DAY DOES US PART

7]IMMER NOCH STURM/ FOREVER STORM

8]SUBDAY BLUES/UNTERTAGBLUES

9]THE HOUR WE KNEW NOTHING OF EACH OTHER


Unfortunately I have not enough photos to make albums of two very great plays:
 THE ART OF ASKING [which amazingly has not been done in English so far! BUT THEN
LITTLE ACTUALLY AMAZES ME ANYMORE IN THIS CULTURAL BOG]

and of VOYAGE BY DUGOUT; THE PLAY ABOUT THE FILM ABOUT THE WAR
which PAJ [Performing Arts Journal] will publish in Scott Abbott's
first rate translation in Spring 2012

The recent - 2011- FOREVER STURM + 2009 UNTIL THE DAY are marvelously represented here, with photo records of their Austrian premieres. DAY has been translated by Mike Mitchel and published, but not had its English language premiere [in tandem with Beckett's KRAPP, since it is, as it were, the ying to Beckett's yang]. Whoever seeks to translate STURM better take a deep draught of Shakespeare first!
It will not be me, I did this once with WALK ABOUT THE VILLAGES

======================================

HERE A LIST OF ALL THE HANDKE DRAMA SITES AND THE HANDKE DRAMA BLOG
WITH IT THREE DOZEN OR SO ENTRIES SO FAR.

http://www.handkelectures.freeservers.com/

The drama lecture contains a lot of my thought,
but for matters I then wrote about VOYAGE BY DUGOUT
and SUBDAY BLUES and that can be found at the blog and the
various scriptmania sites.

The Handke translation site:
http://www.handketrans.scriptmania.com/
contains a lot of thought on these matters.


Scott Abbott and I discussed FOREVER STORM
at great lenght at:




Collection of nearly all REZENSIONEN/ REVIEWS


and these sites contain a record of the German reviews
and the background to the play.

NEWS:

The Trapdoor in Chicago, under Max Truax Direction
will do my translation of Handke's
THEY ARE DYING OUT early 2012
which had its American premiere at the Yale Drama School
30 some years ago in 1979

2012 will bring yet another Handke Premiere
at the Burg Theater of
Die-schoenen-Tage-von-Aranjuez
Luc Bondy, directing

 http://handke-drama.blogspot.com/2011/12/die-schonen-tage-von-aranjuez.html

Sounds like a recollection of the days of wines and roses
when Friedrich Schiller breakfasted on hot buttered toast with cunty fingers!

Upon Farrar, Straus' publication of Handke's
2007 novel Morawian Night
Scott Abbott and I will memorialize that event
with a discussion at Scott's Goalie's Anxiety at the Penalty Kick site
where we discussed earlier in 2011 Handke's latest novel
the tantalizing DER GROSSE FALL

 http://goaliesanxiety.blogspot.com/2011/07/peter-handkes-latest-novel.html

And you can never tell whether our man will not finally win the Nobel Prize
if anyone deserves it....
============  
Remember that the following Handke plays
are in print:
1] KASPAR AND OTHER PLAYS [FARRAR, STRAUS]
2] COMPLETE PLAYS VOLUME I [which contains not just the plays in the above FSG volume
but also those of the o.u.p. RIDE ACROSS LAKE CONSTANCE & OTHER PLAYS,
a total of a dozen, all in yours truly's translation. METHUEN

3] THE HOUR WE KNEW NOTHING OF EACH OTHER & ART OF ASKING
YALE U.P {Honegger]

4] WALK ABOUT THE VILLAGES, Ariadne Press [moi meme]

5] UNTIL THE DAY, University of Chicago Pres [Mike Mitchel]

6] forthcoming: VOYAGE BY DUGOUT , P.A.J. Press [Scott Abbott]

Happy the translator able to get a sli-lift from Peter Handke's elbows!
 
 
http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name


MICHAEL ROLOFF more and more a.k.a
Hugh Selwyn Mauberly!

>
> http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name
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PIECES AND NEWS ABOUT PETER HANDKE'S PLAYS

THIS BLOG IS DEVOTED TO PIECES AND NEWS ABOUT PETER HANDKES PLAYS, IT LINKS WITH THE FOLLOWING SITES:
http://www.handkelectures.freeservers.com
[the drama lecture]

http://www.handkeDRAMA.scriptmania.com
http://www.handkeDRAMA-2.scriptmania.com
WHICH ARE PART OF THE
http://www.handke.scriptmania.com
COMPLEX OF THIRTEEN SITES

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